Testament von Luzelin Silberhaar

Ich setze diese Zeilen auf am Abend des 18. Boron. Vor etwa drei Stunden wurde ich Opfer eines unsäglichen Blutsaugers, der in der Gestalt eines Wanderers vorgab, mich wegen eines Rates aufzusuchen. Es gelang ihm fast, mein ganzes Blut zu trinken – und so bin ich zu dem geworden, was die Bewohner Weidens nur ungern in den Mund nehmen.

Ich bin mir sicher, dass der Vampir unter Zwang stand – allerdings weiss ich nicht, wer ihn zu mir geschickt hat. Doch meine Ahnung und meine Hexenrunen wissen, dass es ein Vorbote derjenigen Macht ist, die das Land verschlingen will. Es gibt wohl nur drei Kreaturen hier im Norden, die dies bewerkstelligt haben könnten, allesamt Fürsten der Vampire: der wandlungsfähige Henker von Greifenfurt, Bronn, das Orakel vom Purpurberg und Walmir von Riebeshoff – Herr der Acheburg. Jedoch weiss ich von keinem der dreie, welchen Grund es gegeben haben könnte, mich auf diese Weise von Satuaria und von meinen Schwestern zu trennen.

Ich hoffe, diese Zeilen werden von demjenigen gefunden, auf die ich nun schon so lange warte – und dass die Zeit gereicht hat, dass Oropheîa sie zu mir gebracht hat. Wenn dem so ist, dann wird euch, die dies lesen, trotzdem kaum noch Zeit bleiben. Gwynna die Hexe hatte ich bereits kurz nach den Ereignissen in Dragenfeld zum Herzog geschickt, doch als einfacher Mensch konnte er die Zeichen nicht deuten. Ihr aber müsst den Ursprung dieser Plage finden! Und ich befürchte, es muss bis zum nächsten Neumondtreffen geschehen! Der Ort des Übels muss ein Zentrum haben, ein Zentrum, wo sich die Mächte kreuzen. Von der Ebene des Drachen kommend? Von Pandlarin? Von der alten Eiche?
Des Weiteren gebe och euch ausdrücklich das Recht, euch mit allem Notwendigen aus meiner Hütte auszustatten. Ich bete zu Satuaria, dass keiner von euch das gleiche Ende findet, wie ich.
Meine letzte und einzige Bitte ist, dass – egal wer mich findet, ob Hexen oder Wanderer – ich bestattet werde und mein Leib ein friedliches Ende nimmt. Und nach dem Brauch der Schwester Satuarias ist dies eine Brandbestattung mitsamt meinem Vertrauten Pallikratz.
Meinen restlichen Besitz vermache ich den Hexen vom Blautann, meine Grotte soll die neu zu bestimmende Oberhexe erhalten.

Satuaria mit Gwynna, mit meiner Tochter Morena und mit dem Blautann
Satuaria mit Dere, denn die Zukunft wird dunkel

Quelle: Rückkehr der Finsternis

Schreibe einen Kommentar