In den Fängen der Wipfeltiger

Mehr als ein Jahr ist mittlerweile vergangen und in dieser Zeit reisten wir viel umher. Mehrere interessante und zugleich erschreckende Meldungen, die ich bereits vor einiger Zeit in das Tagebuch eingeheftet habe, erreichten uns. Vor allem mehrere Berichte von der Insel Maraskan ließen uns aufhorchen. So verwunderte es uns nicht, dass uns mitten in der Wildnis ein Beilunker Reiter fand und einen sehr vergilbten Brief überreichte. Dieser Brief war vor mehr als einem  Jahr von Delian von Wiedbrück aufgegeben wurden. Auch wenn in unserer Gruppe gespaltene Meinungen über Delian herrschen, so machten uns seine Worte doch sehr besorgt. Wir entschieden uns nun,  den Weg nach Maraskan auf uns zu nehmen, denn eine Aussage über seinen Führer auf der Insel machte uns sehr misstrauisch. Dieser Führer namens Borotin Almachios besitzt sechs Finger an jeder Hand und wir wissen, dass der Bezwinger der Blutulme bei Arras de Mott ebenfalls sechs Finger besaß. Für uns gab es nun nur noch einen Weg: den, der nach Maraskan führt.

In der Nähe von Punin, als wir uns gerade in einer Taverne von den Strapazen des Tages erholten, kam eine Novizin der Boronkirche zu uns. Sie steuerte mich wie selbstverständlich an und überbrachte eine mündliche Nachricht der Puniner Boronkirche, dass wir in dringender Angelegenheit zu sprechen gewünscht werden. Solva, so ihr Name, hat mich ohne Umschweife angesprochen. Dies an sich wäre schon mysteriös genug, aber das Unheimliche daran war, dass Solva blind ist. Meine Gefährten machten daraufhin Bemerkungen über meinen Körpergeruch und dass ich mich doch mal wieder waschen könne. Ich streite in diesem Zusammenhang ab, einen unnormalen oder strengen Geruch zu besitzen und verurteile solcherlei Unterstellungen aufs Schärfste!

Solva begleitete uns nach Punin  und wir wurden dem Erhabenen der Puniner Boronkirche, dem Raben von Punin, vorgeführt. Dieser würdevolle Vertreter der Boronkirche ist ungefähr 80 Jahre alt und besitzt eine sehr starke Ausstrahlung. Dabei war nicht nur wie zu erwarten ein Golgarit anwesend, sondern auch eine Commandanta der Al’Anfaner Rabengarde. Wenn schon Ordensritter des Al’Anfaner Ritus‘ hier in die Halle gelassen werden, mussten die Nachrichten sehr besorgniserregend sein.

Die beiden Ordensritter, auf der einen Seite Gernot von Mersingen, dem Vertreter der Puniner Kirche und zum anderen Katalynja Adranez, die Vertreterin der Al‘Anfaner Kirche, berichteten uns von einem Diebstahl des Metalls Endurium auf Maraskan. Einmal im Jahr gibt es einen Transport mit Endurium von der Amran-Anji-Mine auf Maraskan nach Tuzak. Von dem Erlös bekommen alle Kirchen ihren Zehnt. Viel wichtiger ist aber, dass dieses Metall eine sehr wichtige Alchemistisch-magische Eigenschaft besitzt und in der Größenordnung gefährlich sein könnte.

Im weiteren Gespräch haben wir noch folgende Punkte in Erfahrung gebracht:

  • Der genaue Standort der Mine ist unbekannt. Dies ist nur im Tuzaker Fürstenpalast herauszufinden
  • Die Karawane wird üblicherweise von einem Banner der Adlergarde oder der Drachengarde begleitet
  • Das Erz – etwa um 5 Stein – wird entweder in Jergan oder in Tuzak auf ein bewaffnetes Schiff verladen, das von Einheiten der kaiserlichen Perlenmeerflotte nach Perricum geleitet wird
  • Rekonstruierter Zeitablauf:
    • 8. Ingerimm 1018: die Nachricht vom Verschwinden der Karawane erreicht Tuzak
    • 10. Ingerimm: die Boron-Tempel in Punin und Al’Anfa erhalten die Nachricht vom Verschwinden der Karawane und setzen jeweils Agenten auf die Sache an
    • 9. Rahja: Der Boron-Tempel zu Al’Anfa ist sich sicher, dass die Agenten der Hand Borons über das Nirgendmeer gegangen sind. Die abgetrennten Köpfe wurden am Tuzaker Boron-Tempel gefunden

Dies war eine weitere Nachricht, die uns nach Maraskan führt. So nahmen wir den Auftrag an, dass Verschwinden der Karawane zu untersuchen und machten uns sogleich wieder auf den Weg nach Khunchom. Die weitere Reise war gut geplant und auch ein Schiff erwartete uns bereits in Khunchom.

In Khunchom hatte Cerano noch eine Vision, als er den Borontempel besuchte. Er fühlte sich plötzlich alleine und eine schwarze Hand umgriff ihn. Diese Hand hatte sechs Finger. Wir machten uns daher schnell bereit für die Überfahrt nach Tuzak. Das größte Problem war jedoch die Seeblockade. Mir wollte nicht klar werden, warum das Mittelreich selbst für die eigenen Schiffe, für Vertreter der Boronkirche, die Blockade nicht aufheben wollte. Wir mussten daher wie Feinde des Reiches in der Dunkelheit reisen.

In der Nacht überraschte uns ein Tropensturm, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Ich dachte erst, es wäre ein Sturm dämonischen Ursprungs aber Cerano und Inos bestätigten mir, dass es sich um einen durchaus normalen Sturm in dieser Gegend handelte. Durch den Sturm wurden wir allerdings weit abgetrieben und unser Schiff havarierte. An eine Weiterfahrt war in der nächsten Zeit nicht zu denken.

Leider verloren wir viele wichtige Dokumente in dem Sturm und auch die Schiffsbesatzung erlitt Verluste. Wir entschieden uns, am nächsten Tag aufzubrechen und den Weg durch den Dschungel zu nehmen. In der Nacht jedoch wurden wir von marskanischen Widerstandskämpfern überrascht. Unser Kapitän konnte die Widerstandskämpfer von der Dringlichkeit unserer Mission überzeugen und so mussten wir ihnen zu ihrem Lagerplatz folgen. Dort wurden wir ihrem Anführer Orsijin vom Hira vorgestellt, der die Gruppe „Die Wipfeltiger“ nennt. Caibre erkannte in ihm aber einen alten Mittelreicher namens Orsino von Ragath, der angeblich sein gesamtes Banner absichtlich aufgerieben hat und anschließend desertiert ist. Nach einigen Verhandlungen konnten wir viele Differenzen beilegen und er gab uns weitere Informationen.  Es gibt eine Rebellengruppe die sich „Das Haranydad“ nennt, sie soll für den Überfall auf eine Enduriumkarawane im Jahr 1015 verantwortlich sein. Diese Gruppe weiß, wo sich die Mine befindet. Außerdem erklärte er uns, dass die Seeblockade vor allem dem Mittelreich selber schadet. Die Rebellen oder Wiederstandkämpfer leben autark und werden davon gar nicht betroffen. Dies belegte mein Misstrauen und Unverständnis. Wir werden nun versuchen uns durch den Dschungel zu kämpfen. Im Osten von hier soll sich die Straße Tuzak-Jergan befinden. Dort gibt es das Dorf Alrurdan, wo wir rasten und Verpflegung aufstocken können. Der dortige militärische Oberbefehlshaber Hauptmann Helmdengler weiß eventuell mehr über das Haranydad.

Jenko Emaneff im Praios 1019

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