Besatzer und Freiheitskämpfer

Da Jenko in letzter Zeit irgendwie…abwesend…wirkt, habe ich mir sein Tagebuch „geliehen“. Schließlich sind wir hier auf meiner Insel und so sollte die typisch mittelreichische Arroganz uns gegenüber auch mal durch die Wahrheit ergänzt werden…auch wenn sich Jenko bestimmt alle Mühe gibt, er wird uns eh nicht verstehen.

Also:

Nach der Feier zogen wir uns in die Hütte zurück, die uns Bruderschwester Matijias angeboten hatte. Mitten in der Nacht wurden wir von Kampflärm draußen wach. Mit nur dem Nötigsten an Kleidung, Waffen und Rüstung ausgestattet schauten wir vorsichtig nach was vor sich ging. Ein Trupp Mittelreichischer Gardisten war ins Dorf eingefallen und hatte die Dorfbewohner auf dem Festplatz zusammengetrieben. Einige der Gardisten durchwühlten die Hütten, immer in Zweiergruppen, als ob die Feiglinge bei so einem Überfall etwas zu befürchten gehabt hätten.

Ali und ich beschlossen uns unter die Dorfbewohner auf dem Platz zu mischen, in der Hoffnung dort zu erfahren wen die Gardisten suchten. Bei Tageslicht wäre sicherlich jedem aufgefallen, dass er kein Maraskani ist, aber dank der bunten Haarpracht war es so zumindest erstmal möglich unterzutauchen. Die anderen suchten hinter den Hütten Schutz und achteten darauf, außerhalb der Sicht zu bleiben.

Aus einer der Hütten zogen die Gardisten einen jungen Bruderschwester, welcher am Oberarm das rote Band der Dajinim trug. Vier der Dorfbewohner stürzten daraufhin kurzentschlossen mit Holzknüppeln auf die Gardisten zu, um den Rebellen zu beschützen, der ohnmächtig zu sein schien.

Da die Mittelreicher immer noch glauben, hier tun und lassen zu können was sie wollen, sah ich endlich eine Gelegenheit zu helfen, vor allem da mir klar war, dass das Dorf im Gesamten zu leiden hatte, weil dort der Rebell entdeckt wurde.  Ich packte also meinen Streitkolben fester und stürzte hinterher – nur um mich plötzlich im Nahkampf mit zwei ausgebildeten Gardisten zu befinden. Die Dorfbewohner lagen bereits stöhnend am Boden. Zum Glück kam Caibre mir zu Hilfe.

Zusammen haben wir versucht die Gardisten zu töten, die Zauberer und die Hexe hielten sich weiter versteckt. Irgendwo blitzte es kurz und ein paar der Gardisten scharten sich um Irgendetwas, aber ich war vollauf damit beschäftigt mir die Typen vom Leib zu halten. Die fingen allerdings an, sich merkwürdig zu benehmen, griffen nicht mehr an und starrten verwirrt in die Gegend, leider blieben sie trotzdem stehen. Und nicht nur das…es wurden immer mehr, statt fair zwei gegen zwei zu kämpfen, waren wir von 6 Gardisten umstellt. Da ich schon einiges wegstecken musste, ging es mir zu dem Zeitpunkt auch nicht mehr wirklich gut, aber außer mein Leben zu verteidigen, hätte ich nicht mehr gewußt, wie wir aus dem Pulk noch hätten entkommen können.

Ali brüllte uns zu, dass wir verschwinden sollen und da ich langsam doch weiß, was die Zauberer so leisten können, dachte ich nicht lange nach und rannte los. Kurz hinter mir schlugen zwei gewaltige Feuerbälle ein und erledigten einen Großteil der Gardisten, inklusive der Weibelin. Da ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte, versuchte ich so schnell wie möglich zu unserer Hütte zu kommen. In meinem Rucksack habe ich schließlich immer noch einige der Tränke die ich in Gareth beim Alchmisten gekauft hatte. Und nachdem ich mich in anderen Situationen davon überzeugen konnte, dass sie wirken, war es an der Zeit einen Selbstversuch zu starten.  Ich machte mir zwar Sorgen um die anderen, aber in meiner derzeitigen Verfassung wäre ich nicht mehr in der Lage gewesen, ihnen zu helfen.

Als ich wieder aus der Hütte kam, bot sich mir ein ungewöhnlicher Anblick: Caibre schwankte und war kaum noch in der Lage sein Schwert zu halten, kämpfen war ihm augenscheinlich unmöglich, und die Zauberer und die Hexe versuchten sich verzweifelt mit ihren Stäben bzw. dem Dolch gegen die schwer gerüsteten Mittelreicher zu verteidigen. Von denen standen allerdings auch kaum noch welche. Da ich mich, trotz meiner Wunden, einigermaßen erholt fühlte, rannte ich zu ihnen um auch noch die letzten Gardisten zu vertreiben. Einige haben den Weg in den Dschungel gewählt…aber wer nachts durch den Dschungel läuft, muss schon sehr viel Glück haben…

Cerano bewies wieder sein Geschick im Umgang mit Wunden und leistete Hilfe wo er nur konnte. Zwei der Gardisten hatten sich ergeben, doch eine Befragung brachte nichts außer den üblichen Hasstiraden der Anti-Maraskanischen Propaganda hervor. Wir haben sie den Dorfbewohnern überlassen.

Der Rebell dagegen konnte uns mit einigen Informationen weiterhelfen. So haben wir erfahren, dass die Darjinim ihr Gebiet weiter westlich von hier haben und das das Haranydad, deren Anführer sich „Haran“ rufen lässt, im Osten zu finden sei. Allerdings läge dazwischen noch das Gebiet des Diskus von Boran…und da unsere Gruppe zum großen Teil aus Mittelreichern besteht, ist es nicht grade ratsam es zu betreten.

Wir haben außerdem erfahren, dass das Erkennungsmerkmal der Haranydad ist, dass sie kein Erkennungsmerkmal haben, aber viele der Mitglieder sollen eine besonders dunkle Hautfarbe besitzen.

Viel mehr konnte der Darjinim uns leider nicht sagen und so haben wir den Rest der Nacht und die folgenden vier Tage dazu genutzt, um uns zu erholen.

Da wir uns nicht sicher sein konnten ob es nicht doch durch Zufall einer der Gardisten bis Alrurdan zurück geschafft hatte, um Verstärkung zu holen, wurde es für uns dringend Zeit weiterzuziehen. Wir hatten keine Wahl, um zum Haranydad zu kommen mussten wir durch Diskus-Gebiet, welche im Ruf stehen Mittelreicher ganz offen anzugreifen.

Wir kamen gut voran und in der Dämmerung fanden wir einen großen See. Dort beschlossen wir unsere Hängematten in die Bäume zu hängen und am nächsten Tag weiterzumarschieren. Doch auch diese Nachtruhe wurde gestört. Es wurde laut und kurz danach hatte ich einen Giftpfeil im Hintern stecken, präpariert mit irgendeinem Lähmungsgift. Ich schaffte es irgendwie mir selbigen herauszuziehen und ihn mir genauer anzusehen, es waren gelb-purpurne Pfeile, der Diskus. Ich verstehe unter „Mittelreicher offen angreifen“ zwar keine nächtlichen Überfalle, aber in dem Moment hatten wir eh kaum Zeit zum Nachdenken, denn schon kam die zweite Salve an uns vorbeigezischt. Ich habe versucht Kontakt aufzunehmen, aber weder mein Ruf „Ich grüße den Diskus von Boran“ noch mein verzweifelter Versuch durch Fallenlassens meines Wipfeltiger-Armbandes zu zeigen, dass wir keine Feinde waren, schlugen fehl. Stattdessen kam der Befehl herunterzukommen und uns zu ergeben. Wie meine Kameraden den Abstieg geschafft haben ist mir ein Rätsel, mitten in der Nacht und bei Regen…

Nur die Hexe konnte sich dank ihres Besens in Sicherheit bringen, uns wurden Augenbinden angelegt und wir wurden eine ewige Strecke durch die Nacht geführt. Dann wieder Kampflärm, und unsere Bewacher ließen uns los. Natürlich haben wir sofort die Augenbinden abgenommen, die Hexe war wohl unvorsichtig geworden und hatte sich auch einfangen lassen, zumindest stand sie mit uns am Rand.

Inosolan am 15. Praios 1019

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